
(Sweet And Lowdown)
USA 1999

Amerika
in den 30er Jahren. Der Jazzmusiker Emmet Ray (Sean Penn) ist Zuhälter,
Trinker, Kleptomane und ganz nebenbei nach Django Reinhardt der wohl beste
Gitarrenspieler der Welt. Mit gezwirbeltem Schnauzer und viel zu engem
Jackett, tingelt er als verkanntes Genie vor allem durch die billigen
Nachtclubs der Staaten. Die vollkommene Liebe zur eigenen Musik lässt
ihn trotzdem in höheren Sphären schweben und Frauenherzen brechen.
Nur der Anblick seines großen Idoles holt ihn regelmäßig
auf den Boden der Tatsachen zurück - im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Biografie des (fiktiven) Jazz-Gitarristen Emmet Ray, der in den 30er-
Jahren zu den ganz Großen seines Fachs zählte, hinter Django
Reinhardt aber immer "nur" der Zweitbeste blieb. Woody Allens
Hommage an den Swing besticht durch erzählerische und optische Eleganz,
die sich mit der Musik zu einem atmosphärisch stimmungsvollen Zeitbild
fügen. Sean Penn liefert die vorzügliche Darstellung eines selbstverliebten
Rüpels und Frauenhelden, dessen emotionale Ausdrucksmöglichkeiten
jenseits der Musik äußerst beschränkt bleiben, bis er
am eigenen Leib Schmerz und Verlust erfährt. Eine geradezu niederschmetternde
Konstanz an Qualität beweist Woody Allen nicht nur in der Realisierung
seiner Filmstoffe, er bettet seine neurotischen Geschichten auch durchweg
in ein verläßlich angenehmes Swingbeat- und New-Orleans-Jazz-Geflecht
ein. Stammen diese Klänge normalerweise von alten, meist nur Mono
abspielbaren Platten aus Allens Vinyl-Privatarchiv, so beschreitet "Sweet
and Lowdown" als gefakete Halbdokumentation über den Jazzgitarristen
Emmet Ray einen etwas anderen Weg. Mit nur wenigen Ausnahmen wurden alte
Swing-Klassiker neu interpretiert, frisch eingespielt und die Sologitarrenparts
von Howard Alden übernommen. Alden fungiert dabei als Gitarrendouble
für den von Sean Penn dargestellten zweitbesten Jazzgitarristen Ray.
Verantwortlich für die Arrangements ist Dick Hyman. Der Pianist Hyman
hat mit Woody Allen schon häufiger zusammengearbeitet. Er spielte
bereits mit Benny Goodman zusammen, trat im legendären Birdland auf
und gilt als einer der führenden Interpreten
der Klassiker der Jazz-Geschichte, wobei er immer um Authentizität
bedacht ist. Trotz der exzellenten Klangqualität der Aufnahmen zu
Sweet and Lowdown gelingt es Hyman daher, eine detaillierte 30er Jahre
Jazzbar-Atmosphäre aufzubauen. So wurde etwa bei den Gesangs- und
Drumparts nicht auf den leicht muffigen Sound der klassischen Aufnahmen
verzichtet. Die Musiker zeichnen sich außerdem durch eine der Musik
angemessene Leichtigkeit aus, und die Auswahl der Stücke weist den
steinigen Weg durch den Underground-Jazz der 30er Jahre. Größen
wie Duke Ellington sind vertreten, aber auch Kompositionen von etwa Ben
Bernie, Clarence Williams, Douglas Furber und natürlich Django Reinhardt.
Highlights sind neben den klassischen Aufnahmen "Caravan" von
Ellington und "Viper Mad" von Williams/Bechet eindeutig die
vielsagenden "Wrap Your Troubles in Dreams", "Limehouse
Blues" und der Abspannsong "There'll Be Some Changes Made".
Vermißt der kundige Hörer weitere Stücke von Django Reinhardt,
so können darüber am besten die Kompositionen von Dick Hyman
hinwegtrösten.
Regie: Woody Allen Drehbuch: Woody Allen
Kamera: Zhao Fei Musik: Dick Hyman Schnitt:
Alisa Lepselter Ton: Les Lasarowitz Ausstattung:
Santo Loquasto FSK: ab 6 Jahren, feiertagsfrei Verleih
Kino: Arthaus Erstaufführung: 30.3.2000
Produktionsfirma: Magnolia Productions Sweetland Films
Produktion: Jean Doumanian Jack Rollins Charles Joffe
Letty Aronson J.E.Beaucaire Länge: 95 Minuten Darsteller:
Sean Penn (Emmet Ray) Samantha Morton (Hattie) Uma Thurman (Blanche) Anthony
LaPaglia (Al Torrio) Gretchen Mol (Ellie) John Waters (Mr. Haynes) Woody
Allen (Woody Allen) Brian Markinson (Vill Shields) Vincent Tuastaferro
(Sid Bishop) John Waters (Mr.Haynes) Constance Shulman (Hazel) Kellie
Overbey (Iris) James Urbaniak (Harry) Marc Damon Johnson (Omer) Darryl
Alan Reed (Don) Fred Goehner (William Weston) Michael Sprague (Django
Reinhardt) Brad Garrett (Joe Bedloe) Yvette Mercedes (Partygast) Nat Hentoff
Ben Duncan Wayne Ferrara (sie selbst)
"When Day is Done" (1926)
(Buddy G. DeSylva, Robert Katscher)
Django Reinhardt
"Clarinet
Marmalade" (1918)
(Larry Shields, H.W. Ragas)
Ted Lewis' Orchestra
"Speak
To Me of Love (Parlez-Moi d'Amour)"
(Jean Lenoir, Bruce Sievier)
Howard Alden
"Mystery
Pacific"
(Django Reinhardt, Stéphane Grappelli)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli und Kelly Friesen
"Limehouse
Blues" (1922)
(Douglas Furber, Philip Braham)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli und Kelly Friesen
"It
Don't Mean a Thing (If It Ain't Got That Swing)"
(Irving Mills, Duke Ellington)
Howard Alden, Kelly Friesen, Joel Helleny, Dick Hyman, Ken Peplowski,
Ted Sommer und Byron Stripling
"Out
of Nowhere" (1931)
(Edward Heyman, Johnny Green)
Dick Hyman
"I'll
See You in My Dreams" (1924)
(Gus Kahn, Isham Jones)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli und Kelly Friesen
"Sweet
Georgia Brown" (1925)
(Ben Bernie, Kenneth Casey, Maceo Pinkard)
Howard Alden, James Chirrilo, Kelly Friesen, Ken Peplowski,
Bucky Pizzarelli und Ted Sommer
"Avalon"
(1920)
(Buddy G. DeSylva, Al Jolson, Vincent Rose)
Django Reinhardt
"After
You've Gone" (1918)
(Henry Creamer, Turner Layton)
Joe Venuti, Eddie Lang
"I'm
Forever Blowing Bubbles" (1919)
(James Brockman, Nat Vincent)
Howard Alden
"Shine"
Cecil Mack, Lew Brown, Ford Dabney)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli, Kelly Friesen,
Ken Peplowski und Ted Sommer
"There'll
Be Some Changes Made"
(Billy Higgins, W. Benton Overstreet)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli, Kelly Friesen,
Ken Peplowski und Ted Sommer
"Viper
Mad"
(Clarence Williams, Sidney Bechet)
Sidney Bechet und Noble Sissle's Swingsters
"Indiana
(Back Home Again In)" (1917)
(Ballard MacDonald, James F. Hanley)
Red Nichols
"Aloha
Oe" (1908)
(Queen Liliuokalani)
Dick Monday
"Abide
with Me"
(Henry F. Lyte, William H. Monk)
Mary Stout
"12th
Street Rag" (1919)
(Euday L. Bowman)
Howard Alden
"The
Peanut Vendor"
(Moïse Simons, L. Wolfe Gilbert, Marion Sunshine)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli, Kelly Friesen,
Ken Peplowski und Ted Sommer
"All
of Me"
(Gerald Marks, Seymour Simons)
Carol Woods, Howard Alden, Bucky Pizzarelli,
Kelly Friesen, Ken Peplowski und Ted Sommer
"Caravan"
(Duke Ellington, Juan Tizol)
Danny Berigen und seinem Orchester
"Old
Fashioned Love"
(James P. Johnson, Cecil Mack)
Howard Alden, Kelly Friesen, Joel Helleny,
Dick Hyman, Ken Peplowski, Ted Sommer und Byron Stripling
"Just
A Gigolo" (1929)
(Leonello Casucci, Irving Caesar, Julius Brammer)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli, Kelly Friesen,
Ken Peplowski und Ted Sommer
"Nevertheless
(I'm in Love with You)" (1931)
(Bert Kalmar, Harry Ruby)
Ambrose und Orchester
"3:00
AM Blues" (1999)
(Dick Hyman)
Howard Alden, Kelly Friesen, Joel Helleny,
Dick Hyman, Ken Peplowski, Ted Sommer und Byron Stripling
"Liebestraum
No. 3"
(Franz Liszt)
Django Reinhardt
"Since
My Best Girl Turned Me Down"
(Ray Lodwig, Howdy Quicksell)
Bix Beiderbecke
"Wrap
Your Trouble in Dreams (And Dream Your Troubles Away)"
(Ted Koehler, Billy Moll, Harry Barris)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli und Kelly Friesen
"Hot
Lips"
(Henry Busse, Henry Lange, Lou Davis
Henry Busse und Orchester
"You
Were Meant for Me" (1929)
(Arthur Freed, Nacio Herb Brown)
"Unfaithful
Woman" (1999)
(Dick Hyman)
Howard Alden, Bucky Pizzarelli, Kelly Friesen,
Ken Peplowski und Ted Sommer
"Lulu's
Back in Town" (1935)
(Harry Warren, Al Dubin)
Dick Hyman, Kelly Friesen und Ted Sommer
"Sweet
Sue, Just You" (1928)
(Will J. Harris, Victor Young)
Howard Alden
2000 Oscar
Nominierung Bester Schauspieler
Sean Penn
Nominierung Beste Nebendarstellerin
Samantha Morton
2000 Chicago
Film Critics Association Awards
Nominierung Beste Nebendarstellerin
Samantha Morton
Nominierung Beste Nachwuchskünstlerin
Samantha Morton
2001 Empire Awards
Nominierung Beste britische Schauspielerin
Samantha Morton
2000 Golden Globes
Nominierung Bester Schauspieler - Comedy/Musical
Sean Penn
Nominierung Beste Nebendarstellerin
Samantha Morton
2000 Golden Satellite Awards
Nominierung Bester Schauspieler
Sean Penn
Nominierung Beste Nebendarstellerin
Samantha Morton
2001 London Film Critics Circle Awards
Beste Nebendarstellerin
Samantha Morton
2000 Motion
Picture Sound Editors
Nominierung Bester Sound
Alisa Lepselter