Am Thema "Woody Allen" haben sich schon etliche Autoren versucht. Immer wieder erscheinen Bücher über den New Yorker Filmemacher, vor allem im anglo-amerikanischen Sprachraum. Von dieser Flut an Biographien und Bildbänden schwappt jedoch nur ein kleiner Teil über den grossen Teich auf den deutschen Markt, den die "Ware" Woody steht- nicht erst seit dem Sorgerechts-Skandal 1992- nicht gerade hoch im Kurs und gilt, trotz Weltruhms und Allen´s mit Preisen und Auszeichnungen überhäuften Filmographie immer noch als "Ladenhüter". Die literarischen Versuche deutscher Autoren sind manchmal mehr, manchmal weniger gelungen, aber eins haben Sie alle gemeinsam: Auch das Papier, auf dem es um Woody Allen geht, ist geduldig. Deshalb sei hier nur ein kleiner Teil der Publikationen erwähnt, die sich mit dem New Yorker Filmemacher beschäftigen. Fehlt Eurer Meinung nach an dieser Stelle noch ein Buch über Allen? Buchtipps und Rezensionen sind ausdrücklich erwünscht.

cover"Ich war das Beste, was ich je hatte", lautet eine augenzwinkernde Selbsteinschätzung von Woody Allen in dieser Biografie. Doch nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Kino war Allen ein Glücksfall. Er bescherte uns dreieinhalb Jahrzehnte voller witziger und nachdenklicher Filme. Nicht die großen Kassenknüller, aber immer wieder kleine Highlights.
In denen, so Autor Stephan Reimertz, "spricht Allen die kollektiven Themen des zwanzigsten Jahrhunderts an. Er spiegelt die Mittelschicht mit ihren Komplexen wie Geld, Sex, Kultur und Psychoanalyse, mit ihren immer neuen Prüfungen des Selbstwertgefühls." Mit steigendem Alter reiften Allens Filme, autobiografischen Einflüssen unterlagen sie aber zu allen Zeiten. Klar, dass sich Werk und Leben Allens nicht trennen lassen. So gestaltet denn Reimertz sein Buch auch als Verbindung zwischen Allens Lebenslauf und seinen Filmen. Immer wieder baut er Werkanalysen ein und erläutert die Parallelen zwischen Kino- und Realwelt Allens. Das macht er so geschickt und mit fühlbarer Freude am Thema, dass diese Biografie niemals langweilig wird und vergnügliche wie informative Lesestunden füllt.

Sonderlich hart geht Reimertz mit dem New Yorker Filmemacher nicht ins Gericht, etwa hinsichtlich seines Scheidungskrieges mit Mia Farrow, aber ehrlich gesagt bietet der auch wenig Angriffspunkte. "Früh entdeckte Allen den Humor als Waffe gegen die Zumutungen der Außenwelt", und dieser Humor zog sich als berufliche Leitlinie durch sein Leben. Erst als Gagschreiber, dann als Stand-up Comedian, schließlich als Regisseur, "dessen Werk als eine amerikanisch-europäische Synthese gilt".

"Mit Woody Allen betritt der Intellektuelle die Bühne der Popkultur", resümiert Reimertz. Den Weg Allens auf diese Bühne und das Wirken darauf kann man hier nachlesen."

cover "Ich war einmal mit einer Tänzerin verlobt, aber (...) sie lief mit einem Pianisten davon, und da habe ich mit ihr Schluss gemacht." Das eigene Scheitern eingestehen und es gleichzeitig mit charmanter Chuzpe zumindest in ein Unentschieden umlügen -- wenige beherrschen diese Kunst so brillant wie Woody Allens Stadtneurotiker, in denen sich nicht nur New Yorker Intellektuelle ein ums andere Mal wieder erkennen. Dem Geheimnis dieses Erfolges versucht der Philosoph Vittorio Hösle mit einem ausgefeilten hermeneutischen Instrumentarium auf den Grund zu gehen.
Für ihn ist Allen, aller vordergründigen Komik zum Trotz, in erster Linie ein Moralist, der in einer Zeit, in der viele den Glauben an Gott ebenso wie an diverse Ersatzreligionen -- von Sex bis Zen -- verloren haben, die Frage nach den letzten Dingen stellt und ethische Mindeststandards einfordert -- ein Ungläubiger, der sich als "die loyale Opposition Gottes" versteht. Dabei traut der Filmkünstler sich selbst nicht über den Weg. Kunst -- so interpretiert Hösle The Purple Rose of Cairo -- verführt zum Eskapismus und vermag die Wirklichkeit letztlich nicht entscheidend zu verändern. Ähnlich ambivalent ist die These vom intellektuellen Anti-Akademiker Allen, der sich und seine Standesgenossen immer wieder zu Narren macht. Dank deren geschärfter Selbstwahrnehmung lachen wir jedoch nie nur über sie, sondern immer auch mit ihnen, mehr melancholisch als maliziös.

Zu diesen Erkenntnissen verhilft uns der Autor mal recht leichtfüßig, dann wieder arg professoral, wenn er etwa die Wirkungsweise eines Witzes auf vier Ebenen in extenso erklärt. Umgekehrt wird vieles angetippt, weniges ausgeführt, so dass man trotz manch neuer Einsicht etwas ratlos zurückbleibt. Aber wenn Hösles philosophisch verbrämte Begeisterung für Allen auch nur zwei, drei Leser ansteckt, will ich nichts gesagt haben." 

cover" Man mag gar nicht recht glauben, dass Woody Allen im Erscheinungsjahr dieses Lexikons über ihn und seine Filme bereits seinen 65. Geburtstag feiert -- es ist aber eine Tatsache, die man mithilfe dieses Bandes belegen kann. Entsprechend weit reicht Allens Werkliste zurück; Ende der 60er Jahre entstanden seine ersten eigenen Filme, noch mit ziemlich anarchischem Humor durchsetzt. What's up, Tiger Lily?, Bananas oder Woody - Der Unglücksrabe kennzeichnen diese Schaffensperiode, es folgten kleine Filmlegenden wie Mach's noch einmal, Sam! oder Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten. Später dann wurden Allens Filme intellektuell-poetischer, sein Humor leiser. Wer erinnert sich nicht gerne an Der Stadtneurotiker und Manhattan?

Stoff genug für ein Lexikon bietet der Komiker und Filmemacher also allemal. Vielleicht vermisst mancher eingefleischte Allen-Fan den Eintrag des Zeit sparenden "Orgasmotrons" aus Der Schläfer, und trotz A-Z-Aufbau wäre eine chronologische Filmliste hilfreich gewesen. Ansonsten aber finden sich in diesem Buch eigentlich alle wichtigen Informationen über Allens Werk und sein Privatleben. Jeder Film hat natürlich seinen Platz im Buch (inklusive zusätzlicher Hintergrundbegriffe), dazu die Darsteller sowie wichtige Personen und Ereignisse aus Allens Privatleben. Einige Fotos finden sich auch, die sind aber angesichts ihrer Anzahl und Qualität sicher nicht das Hauptargument für dieses Lexikon.

Das ist ein anderes: Rascher als in den diversen verfügbaren Woody Allen-Lebensgeschichten findet man in dieser alphabetisch geordneten Welt des Filmemachers mit ihren mehr als 700 Einträgen die gesuchte Information. Dadurch ist das Woody Allen Lexikon die ideale Ergänzung zu den Biografien."

cover "Einen handfesten Skandal hat Woody Allens Privatleben eigentlich nur ein einziges Mal geliefert: Als seine Liaison mit der Stieftochter Soon-Yi zur Trennung von Ehefrau Mia Farrow führte, ging die Scheidungsschlammschlacht durch alle Boulevardblätter. Ansonsten aber war es um den intellektuellen Filmemacher aus Manhattan eher ruhig. Das soll aber nicht bedeuten, dass eine Biografie Woody Allens langweilig wäre. Im Gegenteil, dies ist die Lebensgeschichte eines gerade deshalb interessanten Menschen, weil er sich nicht ständig vermarktet hat, sondern ohne falsche Rücksichten sehr persönliche Filme drehte.

Wie Allens Privatleben vor und während seiner Karriere aussah beschreibt Marion Meade in Ein Leben gegen alle Regeln. Das im Stil einer traditionellen Biografie angelegte Buch beschreibt ausführlich Allens Werdegang und die Personen, die darin eine Rolle spielten. Fast schon zu ausführlich kann man jedoch anmerken, das Buchstudium ist etwas zäh. Und das obwohl Meade großes Gewicht auf Tratsch, Klatsch und Skandälchen legt. Des Öfteren nutzt sie "vertrauliche Quellen", etwa um Mia Farrows Verhalten im Sorgerechtsstreit zu skizzieren. Aber mit solchen Quellen ist es halt so eine Sache -- man glaubt sie oder man glaubt sie nicht. Im Vergleich zum nahezu zeitgleich erschienenen Stephan Reimertz-Band Woody Allen. Eine Biographie wirkt Meades Buch jedenfalls reißerischer, soweit dieser Begriff überhaupt zu Woody Allen passt. Ein nachteiliger Eindruck, den so manches Paparazzi-Foto im Bildteil noch unterstützt.

Meades Band ist zwar inhaltlich umfassender als Reimertz' Konkurrenzbiografie, besser ist sie deswegen aber nicht. Reizvoll dürfte das Meade-Buch vornehmlich für jene sein, die mehr der Privatmann denn der Filmemacher Allen interessiert."