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Ingmar Bergman ist eine der wenigen Filmlegenden, die Europa hervorgebracht hat. Wie außer ihm wohl nur noch der Italiener Frederico Fellini hat er ein Werk geschaffen, das höchsten künstlerischen Ansprüchen genügt und dabei - zumindest phasenweise - auch noch äußerst populär war. Eindringlich wie kein anderer hat er mit filmischen Mitteln die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins und nach der Existenz Gottes gestellt. Woody Allen versuchte, in "Innenleben", "September", "Eine andere Frau" und "Stardust Memories" Bergmans Tiefgründigkeit zu kopieren. Mit nur mäßigem Erfolg, wie die Kritiker meinen. Das grüblerische Wesen wurde dem Pastorensohn aus Uppsala in die Wiege gelegt.
In seinem letzten großen Film Fanny und Alexander von 1981 hat er das Trauma seiner Kindheit im Zeichen eines rigiden Protestantismus aufgearbeitet. In der Literatur, im Theater und vor allem im Film fand Bergman, der nie ganz aus dem Schatten dieser Kindheit getreten ist, seine Kanzel, sein Forum, um sich coram publico Gedanken über Gott und die Welt zu machen. In Stockholm, wo er Literatur und Kunstgeschichte studierte, inszenierte er schon als Zwanzigjähriger Theaterstücke an einer Studentenbühne. Seine Filmkarriere begann 1944 mit dem Drehbuch für den Spielfilm Die Hörige von Alf Sjöberg, der den Beginn des schwedischen Nachkriegsfilms markiert. Sein Regiedebüt 1945 mit dem bezeichnenden Titel Krise wurde kein Erfolg und auch seine nachfolgenden Filme, die das Vorbild des italienischen Neorealismus verraten, wurden international wenig beachtet, aber ausgerechnet mit dem eigentümlichen Abend der Gaukler, in dem der Zirkus als Metapher für die Situation des Künstlers in der Gesellschaft erscheint, begann 1953 die Reihe der Erfolgsfilme, zu denen der romantisch-komödiantische Liebesreigen Das Lächeln einer Sommernacht (1955) ebenso zählt wie die symbolkräftigen Mittelalter-Filme Das siebente Siegel (1956) - mit dem berühmten Bild des Ritters, der mit dem Tod Schach spielt - und Die Jungfrauenquelle (1959), das mit einer Vergewaltigungszene schockte. Als Krönung dieser Schaffensphase gilt Wilde Erdbeeren (1957), in dem ein alter Mann, das greise Alter ego Bergmans, seine Lebensbilanz zieht.
Den Zenit seiner internationalen Popularität erreichte Bergman Anfang der Sechzigerjahre mit dem Schwarzweißfilm Das Schweigen. Die düstere Alptraumwelt zog in Deutschland mehr als zehn Millionen Zuschauer in die Kinos. Das Schweigen umgab der Reiz des Verbotenen, der Ruch des Skandals, wegen ein paar Szenen, die nach dem Urteil des katholischen Filmdienstes das sittliche Empfinden vieler Zuschauer verletzten und gerade deshalb noch mehr Zuschauer anzogen. Dass es Bergman um die Absurdität menschlicher Existenz angesichts des Schweigen Gottes ging, wurde wohl von dem Gros des Kinopublikums nicht wahrgenommen, aber die naheliegende theologische Deutung machte den Film für die Zensur in Deutschland und Schweden unangreifbar. So schuf der schwedische Meisterregisseur freie Bahn für die Sexwelle, die bald danach über das deutsche Publikum hereinbrechen sollte. Bergman selbst schwamm auf dieser Welle nicht mit, er umkreiste mit einem festen Stamm von Schauspielern (insbesondere Schauspielerinnen) und Mitarbeitern beharrlich das Mysterium der menschlichen Existenz: "Ich weiß, dass ich immer nur und immer wieder ein und dieselbe Situation darstelle, Gott und den Teufel - und was wir tun können, um unser Leid und das der anderen zu lindern". Ein amerikanischer Filmkritiker verglich ihn einmal zurecht mit einem Barockkomponisten, der aus einer kleinen Notenskala eine schier unendliche Zahl von Variationen schöpft.
Das ganz große Publikum erreichte er noch einmal mit den als TV-Serie konzipierten Szenen einer Ehe (1973), die im Fernsehen und in einer gekürzten Kinofassung die öffentliche Diskussion um die sogenannten Beziehungsprobleme belebten. 1976 floh er vor den schwedischen Steuerbehörden und lebte für fünf Jahre in München, wo er als Regisseur am Residenztheater arbeitete und zwei Filme drehte. Seiner Ankündigung nach Fanny und Alexander, in dem er die "Summe seines Lebens als Filmemacher" sah, keinen Film mehr zu machen, ist er mittlerweile untreu geworden. Unvermindert produktiv ist Bergman, der auch dem Theater seines Landes den Stempel aufgedrückt hat, als Buchautor, der detailreich und einfühlsam seine eigene bewegte Lebensgeschichte memoriert.
Der Patriarch der modernen schwedischen Kultur, der auf sechs Ehen, aus denen etwa ein Dutzend Kinder hervorgegangen sind, zurückblicken kann, ist zwar alt geworden, mittlerweile 82 Jahre, aber lebenssatt ist er immer noch nicht.
Die Marx Brothers
Groucho Marx (Julius, 2.10.1890 - 19.8.1977)
Harpo Marx (Adolph, 23.11.1893 - 28.9.1964)
Chico Marx (Leonard, 22.3.1887 - 11.10.1961)
Zeppo Marx (Herbert, 25.2.1901 - 30.11.1979)
Geburtsort (alle vier): New York
Geburtsland: USA
Vor allem Groucho Marx gilt als größten Allensches Vorbild. Seine Filme sind, wie beim frühen Woody Allen, aufgereihte Perlen von Nummern, Wort-Sketchen und Situationskomik-Konsequenz ihrer Herkunft von der Varietebühne. Die verbale Gegenwart von Groucho in Woodys Werk ist offensichtlich, noch offenkundiger sind seine visuellen Marx-Verweise. In "Woody der Unglücksrabe" erscheinen seine Eltern in Groucho-Masken, in "Hannah und ihre Schwestern" reißen ihn Groucho und seine Kumpanen aus der tiefsten Depression und´nicht zuletzt in "Alle sagen: I love you", wo am Schluß eine Party zu dessen Ehren im Pariser Palais Chaillot gefeiert wird, und die Gäste, gleich welchen Geschlechts, als Groucho maskiert auftreten, zwölf Grouchos tanzen und singen.
Wie Charlie Chaplin, Buster Keaton und Laurel & Hardy sind für Kinogänger aller Generationen die Marx Brothers ein Begriff. Gemeinsam mit Laurel & Hardy, die bei uns zu "Dick und Doof" geworden sind, lebt ihre Komik vom Kaputtmachen, von der Zerstörung. Jeder der Brüder hat bereits in den ersten Kabarett-Jahren eine ganz eigene, persönliche Charakteristik angenommen.
Groucho simuliert mit großem, angemaltem Schnurrbart, Mittelscheitel, Brille, langer Zigarre und schlecht sitzendem Anzug den Vertreter der guten Gesellschaft. Mit seinen stets beleidigenden Sprüchen, bei denen er Worte und Sätze ständig verdreht, macht er gleichermaßen seinen eigenen Charakter zum Zerrbild.
Chicos Erscheinung basiert auf dem traditionellen italienischen Straßenhändler: zusammengewürfelte Kleidung, erfolglose, linkisch ausgeführte Intrigen, übertriebener Akzent und wilde Kalauer. Er spielt brillant Klavier und schießt dabei mit dem Zeigefinger auf die Tasten.
Harpo spielt den Stummen mit der strubbeligen Wollperücke und dem zu großen Mantel. Wie Chico ist er ein talentierter Musiker. Er spielt Harfe, macht sich mit einer Autohupe verständlich, die er aus der Tiefe seiner Hosentasche zieht. Er ist exzentrisch in seiner Zerstörungwut: Er stopft alles in sich hinein, auch den Inhalt von Tintenfässern, schneidet mit einer Schere Krawatten, Frackschöße und Röcke ab. Keiner kann wie er ein Klavier oder einen Flügel während des Spieles auseinandernehmen und am Ende die Saiten als Harfe benutzen. Dabei ist sein Spiel völlig losgelöst von der Handlung. Sein Auftritt gleicht einer Kabarett- oder Zirkusnummer: Er setzt sich hin und spielt los, meist ein klassisches Stück. Am Ende gähnt er, als sei er höchst gelangweilt.
Zeppo hatte die undankbarste Rolle. Als jüngster Bruder kam er zu der Truppe, als sie schon stand, und das auch nur, weil der Fünfte im Bunde, Gummo, schon früh ausstieg. Zeppos Figur ist am wenigsten ausgeprägt. Er versucht sich fünf Filme lang als ungeschickter romantischer Held. Doch dann zieht er sich zurück.
Bekannt wird die Komikertruppe im Amerika der 20er Jahre als Varieté-Attraktion. Unter der Leitung der resoluten Mutter, Minnie Marx, beginnen die Marx-Brothers 1907 mit der Bühnenlaufbahn als "The Three Nightingales", das sind Groucho und Gummo Marx, sowie Mabel O'Donnell. Kurz darauf kommt Harpo dazu und sie sind nach Ausscheiden von Mabel O'Donnell, zusammen mit Lou Levy "The Four Nightingales".
Schließlich aber bilden Groucho, Gummo, Harpo, ihre Mutter Minnie und deren Schwester Hannah Schickler und Freddie Hutchins "The Six Mascots". Ab 1912 heißen sie "3 Marx Brothers & Co." Und als Chico dazukommt "4 Marx Brothers and Company". Vor Beginn der Broadway-Karriere verläßt Gummo die Truppe und wird durch Zeppo ersetzt.
Drei Musical-Erfolge bringen sie als Bühnenkomiker nach oben: "I'll Say, She Is" (1924), "The Cocoanuts" (1925) und "Animal Crackers" (1928). Mit der Verfilmung der beiden letzten, überaus erfolgreichen Stücke durch die Paramount beginnt die Kinokarriere des Teams.
Sie sind hinfort die Anarchisten der Filmkomödie. Paramount produziert auch die nächsten Marx-Brothers-Filme: "Die Marx Brothers auf See" (Monkey Business, 1931), "Blühender Blödsinn" (Horse Feathers, 1932) und "Die Marx Brothers im Krieg" (Duck Soup, 1933).
"The Cocoanuts", inszeniert von Robert Florey mit der Musik von Irving Berlin, ist im Stil des Chaos bereits bestimmend für die späteren Arbeiten. Als blinde Passagiere begegnet man den Marx Brothers 1931 in "Monkey Business - Die Marx Brothers auf See" auf einem Ozean-Liner. In dem ebenso geistreichen wie köstlich augenzwinkernden Spiel mit grotesken Situationen strapazieren die Marx Brothers die Lachmuskeln ihrer Zuschauer.
"Blühender Blödsinn" heißt schließlich die von Norman McLeod inszenierte, hinreißende Parodie auf den amerikanischen College-Betrieb. Rektor Groucho legt besonderen Wert auf eine gut funktionierende Football-Mannschaft. Was mit Spieltalent nicht zu schaffen ist, machen die Fouls!
Oft hat es den Marx Brothers gar nicht behagt, wenn sie ihre anarchistischen Streiche an die Kette einer durchgehenden Handlung legen mußten. Doch in "Duck Soup", mit dem Titel "Marx Brothers im Krieg" etwas irreführend deutsch getitelt, spielen sie ein einziges Thema besessen durch: Der skrupellose Geschäftemacher Groucho, durch die Gunst einer Kapitalistin zum Diktator von Freedonia berufen, holt seine bösen Brüder und zettelt mit martialischem Pomp einen Krieg gegen Sylvania an. Weil sogar sein Hauptquartier zerschossen wird, funkt er SOS an den Völkerbund, siegt durch einen dummen Zufall doch noch und bekriegt schließlich seine finanzstarke Gönnerin. Die Satire auf Faschismus schlägt um in eine grausig-burlesk ausgemalte Prophetie.
Ihr nächster Film zeigt die Marx Brothers auf dem Gipfel ihres Ruhms: Mit angeklebten Bärten stehen sie am Pier von New York, schütten sich Glas um Glas Wasser in den Hals und parodieren in einer herrlichen Nonsensrede das unsinnige Geschwätz von berühmten Persönlichkeiten. Irving Thalbergs Versuch, ihre Kunst durch simple Drehbuchtexte herunterzuziehen, konnte der ungeheuren Spontaneität der Marx Brothers nichts anhaben: Für sie kann kein Unsinn unsinnig genug sein, die Konvention zu entlarven. Um einem singgewaltigen, aber noch unentdeckten Freund zu helfen, machen sich die Marx Brothers in "Marx Brothers in der Oper" (1935, Regie: Sam Wood) auf zur Galapremiere an der Metropolitan Opera, bringen die ganze Aufführung durcheinander, und am Ende darf der Freund einspringen und seine Qualität beweisen. Brillanter Klamauk.
In einem Sanatorium und auf dem Rennplatz spielt der ebenfalls von Sam Wood inszenierte "Tag beim Rennen" (1937): Eine verrückte Millionärin wird von einem Tierarzt kuriert; das Sanatorium, das Pleite zu machen droht, soll durch eine Rennwette gerettet werden, denn der Tierarzt hat das richtige Pferd gedopt. Groucho Marx nennt in seinen Erinnerungen "A Day at the Races" einen der beiden besten Marx-Brothers-Filme. Und tatsächlich ist diese Geschichte von der Sanatorium-Erbin Judy, die vom bösen Morgan attackiert wird, der aus dem Anwesen ein Casino machen will, turbulent und intelligent angelegt. Groucho als prahlerischer Pferdedoktor ist in seinem Element, und in einer hinreißenden Gag-Nummer zertrümmert Harpo als Jockey Stuffy ein Klavier und benutzt dessen Saiten als Harfe. Allerdings fehlt diesem Film schon die anarchische Kraft der Frühwerke.
In dem von Edward Buzzell inszenierten Film "Marx Brothers im Zirkus" (1939) schneidet Harpo das Seil, mit dem das schwimmende Orchester-Podium am Ufer festgemacht ist, durch. Unermüdlich weiterspielend, treibt das Symphonieorchester hinaus aufs Meer. Einer der unvergeßlichen Gags aus diesem eher schwächeren Film.
Die Story von den zwei pfiffigen Brüdern Chico und Harpo, die in "Go West - Die Marx Brothers im Wilden Westen" (1940, Regie: Edward Buzzell) den großspurigen Geschäftsmann Groucho aufs Kreuz legen und zu unerwartetem Reichtum kommen, dies nicht erkennen und sich von anderen betrügen lassen, ist - vom grotesken Ende abgesehen - belanglos. Am Schluß aber, wenn sie einen Zug auf Vollgas bringen, indem sie ihn Stück für Stück zerhacken und verheizen, sind sie wieder in ihrem zerstörerischen Element.
Selbst in dem lahmen Film um die "Marx Brothers im Kaufhaus" (1941) von Charles Reisner gibt es köstliche Gags: das Versteckspiel in einem automatischen Klappbett etwa, oder eine zwerchfellerschütternde Rollschuhfahrt durch das große Warenhaus. Doch das sind auch fast schon die letzten großen Einfälle der beliebten Komiker. Schon lange haben sie - wohl auf Druck der Produzenten - gesellschaftskritische Randglossen ausgespart. Es gibt irritierende Füllsel wie eine etwas magere Liebesgeschichte und das auch nicht gerade aufregende Ballett von Verkäufern und Verkäuferinnen. Und wenn am Ende der Chor singt: "Lächle, wenn du verkaufst", dann klingt zwar Selbstironie mit, doch es ist zugleich auch ein Rückfall ins alte Hollywoodklischee.
Eine hinreißende Travestie auf den Kultfilm "Casablanca" und darüber hinaus aber eine aufregende, beklemmende Geschichte um einen Nazi-Schatz, finstere Gangster und das Trio bietet Archie Mayos Marx-Brothers-Film "Eine Nacht in Casablanca" (1946).
1949 drehen die Brüder ihren letzten gemeinsamen Film "Love Happy", den David Miller inszeniert und in dem eine unbekannte Debütantin namens Marilyn Monroe einen ihrer ersten Kinoauftritte hat.
In den Folgejahren treten die Brüder in allerlei Gastrollen auf, Groucho beispielsweise in Otto Premingers vergnüglicher Knast- und Flower-Power-Satire "Skidoo" (1968).
Groucho versteht es überhaupt, sein Image weiter zu vermarkten. Bereits 1951 erscheint er in einer langlebigen Fernsehserie ("You Bet Your Life"), die eigentlich eine Quizsendung war, aber von ihm zu kalauernden Beleidigungsattacken umgemünzt wurde. Seine Memoiren "Groucho and Me" (1959) und "Memoirs of a Mangy Lover" (1964), sowie die von Harpo ("Harpo Speaks!", 1961) sind äußerst unterhaltsam, aber nicht sehr faktentreu.
In den 60er Jahren beginnt ein neues Interesse an den Filmen der Marx Brothers, begleitet von verschiedenen Publikationen wie "The Groucho Letters" (1967), "Why a Duck?" (1971/72) sowie "The Marx Brothers' Scrap Book" (1974).
Am 26. März 1970 hat ein ungewöhnliches Musical im Imperial Theatre am Broadway Premiere: "Minnie's Boys" handelt von den frühen Bühnenjahren der Marx Brothers. Die Autoren sind Robert Fisher und der Groucho-Sohn Arthur Marx. Doch trotz sorgsam ausgewählter Typen und spritziger Dialoge, sowie einer hervorragenden Shelley Winters als Minnie ließ sich das Charisma der Brüder nicht wiederbeleben. Nach zehn Wochen Laufzeit wurde das Stück abgesetzt. Am Ende war es nicht mehr als ein liebevoller Fehlschlag.
Er erlebte Lenny Bruce und Mort Sahl 1954 zum ersten Mal bei LIve-Auftritten in Nachtclubs, wo beide die Weichen stellten für freches, politisches Entertainment, Bruce fügte dem ein betont obszönes, provokantes Vokabular hinzu, das ihn zeitlebens in Konflikt mit den Gesetzen brachte. Er kam in Mineola, LOng Island zur Welt, von Rollins und Joffe nach New York geholt und machte schnell Karriere bei Film und Fernsehen. 1953 schrieb und spielte er den Film "Dance Hall Racket", 1966 starb er an den Folgen von Drogen und Alkohol, sein aufsehenerregendes Schicksal verfilmte später Bob Fosse mit Dustin Hoffman in der Titelrolle ("Lenny", 1974). Er ist Vater der Schauspielerin Kitty Bruce.
Charlie Chaplin war komisches und inszenatorisches Vorbild von Woody Allen. Er war der erste Weltstar des Films. Seine Bedeutung für die Künste des 20. Jahrhunderts ist nur mit jener von Pablo Picasso vergleichbar. Es gehört zu den häßlichsten Seiten der Vereinigten Staaten von Amerika, daß man diesen Mann außer Landes trieb. Jahre später, als man ihn gern wiederhaben wollte, sagte Charlie, inzwischen in Großbritannien zum Ritter geschlagen: "Ich würde nicht in die USA zurückkehren, selbst wenn Jesus dort Präsident geworden wäre."
Er stammte aus London. Früh wurde er Waise. In fast allen Biographien ist deshalb von "dickens'scher Jugend" die Rede. Doch im Gegensatz zu den Kinderschicksalen, die Charles Dickens im 19. Jahrhundert beschrieb, fand Charlie Chaplin den Weg nach Amerika und in die Filmstudios. Er arbeitete als Tänzer, Sänger, Pantomime, und es war in einer Bühnenshow, in der er einen betrunkenen Randalierer spielte, als Mack Sennett, der Boß der Keystone-Filmgesellschaft, auf ihn aufmerksam wurde. In seinem Jahr bei Keystone drehte Chaplin 35 Slapstick-Filme für 175 Dollar die Woche – und war am Ende des Jahres ein populärer Mann.
1915 wechselte er von Keystone zu Essenay, verdiente jetzt 1250 Dollar und hatte mehr Zeit für seine Filme. Doch schon im April kam sein "Tramp" in die Kinos, Chaplins erstes großes Meisterwerk. 1916 verdiente Chaplin schon 10000 Dollar/Woche plus 150000 Dollar Sonderprämien. Er war ein Superstar geworden.
Trotz allen Erfolgs seiner Filme blieb die Haltung des offiziellen Amerika gegenüber dem 'armen' kleinen Engländer seltsam zwiespältig. Zwar war sein Name inzwischen weltweit ein Synonym für Film geworden, zwar hatte er (zusammen mit Douglas Fairbanks und Mary Pickford) eine erfolgreiche Hollywood-Gesellschaft gegründet, die United Artists Corporation, zwar galt sein "Goldrausch" (1925) als bis dahin bester Film aller Zeiten – doch nur mit spitzen Fingern gewährte ihm Hollywood 1928 einen Spezial-Oscar "für Vielseitigkeit und Genie". Einen normalen Oscar hat er nie bekommen.
Nachdem er noch 1937 "Moderne Zeiten" als Stummfilm abgeliefert hatte, öffnete sich Chaplin 1940 mit "Der große Diktator" spät dem Tonfilm. Die Jahre nach dem Krieg waren gekennzeichnet von der Gespensterjagd des Senators McCarthy auf "unamerikanische Umtriebe", und Charlie Chaplin war ein entschieden zu liberaler Mann, zumal was sein Ehe- und Sexualleben anbelangte. Seine Hochzeit mit Paulette Goddard, die er 1933 als 44-Jähriger geheiratet hatte (sie war 19) hielt er drei Jahre lang geheim. Es war dies schon seine dritte Ehe.
Seine erste Frau hieß Mildred Harris. Als er sie 1918 heiratete, war sie 16. Auch Lolita MacMurray war noch eine "sweet sixteen", als Charlie sie 1924 heiratete.
Nach der Scheidung von Paulette Goddard, 1942, wurde Chaplin in verschiedene hässliche Prozesse verwickelt, die er zumindest vor dem Gesetz schadlos überstand, mit Ausnahme eines Vaterschaftsprozeß, den Joan Barry gegen ihn angestrengt hatte.
Die Erlösung für sein unstetes Privatleben kam durch Frau Nr. 4, Oona, eine Tochter des großartigen amerikanischen Dramatiker Eugene O'Neill. Nachdem die McCarthyisten ihn wegen vermeintlicher kommunistischer Verbindungen (unterschwellig aber auch wegen seines "unmoralischen Lebenswandels") aus Amerika ausgewiesen hatten, ließ er sich mit Oona und Familie am Genfer See nieder. Zur Zeit der Hochzeit war Chaplin 54, sie 18. Das bekannteste ihrer acht Kinder sollte Geraldine werden, die ihrer Mutter sehr ähnlich sieht und über Jahre mit führenden Regisseuren in großen Filmen arbeitete.
Auch wenn Chaplins Alterswerk zumindest an den Kinokassen keine Erdbeben mehr hervorrief, bleibt George Bernd Shaws Diktum auch 20 Jahre nach seinem Tod, 1977, gültig: "Er ist das einzige Genie, das der Film bisher hervorgebracht hat."
Weitere Filme von Charlie Chaplin: "Der Champion" (1915), "Der Abenteurer" (1917), "Gewehr über" (1917), "Der Immigrant" (1917), "Ein Hundeleben" (1918), "Der Vagabund und das Kind" (1920), "Gehetzte Unschuld" (The Pilgrim, 1923), "Die Nächte einer schönen Frau" (1923), "Der Zirkus" (1925) "Lichter der Großstadt" (1931), "Monsieur Verdoux - Der Frauenmörder von Paris" (1947), "Rampenlicht" (1952), "Ein König in New York" (1957) und "Die Gräfin von Hongkong" (1967).
Zusammenstellungen von Kurzfilmen: "Charlie gegen alle" , "Charlie Chaplins Lachparade", "Lachen verboten", "Charlies Lachrevue", "Das waren noch Zeiten", "Die Chaplin-Revue", "Charlie Chaplin Centennial Collection 1 - 11", "Chaplin - Lost and Found", "Charlie Chaplin's Keystone Comedies 1- 5" und "Charlie Chaplin Collection".
Buster Keaton, der Mann mit dem steinernen Gesichtsausdruck, den man deshalb auch "Stoneface" nannte, entwickelte sich vom dreijährigen Wunderkind zum großen Schauspieler und Regisseur, der in der Filmgeschichte neben Charlie Chaplin und Harold Lloyd zu den unsterblichen Größen der Filmkomödie zählt.
Den Spitznamen Buster erhielt Keaton von seinem Vater, denn bereits als krabbelndes Baby hat Keaton nicht nur den Hausstand der Familie auf den Kopf gestellt, sondern überstand auch unbeschadet einen Sturz von einer Treppe; ein richtiger "Buster" eben. (Bei den Dreharbeiten zu "Der General" zog er sich übrigens bei einem Sturz auf die Eisenbahnschiene einen Genickbruch zu, der erst Jahre später entdeckt wurde.)
Als Sohn der Schauspieler Joe und Myra Keaton wird Buster in der Welt der Theater und Varietés groß. Bereits mit drei Jahren steht er in den sogenannten "Medicine Shows" auf der Bühne. Das sind gemischte Programme aus Sketchen, Artistik und Zauberei. Als er fünf Jahre alt wird, nennt sich die Familie "The Three Keatons" und für Buster beginnt die Vaudeville-Karriere. Wegen seines großen Talents hält man ihn für einen (erwachsenen) Zwerg. Ein paar Jahre später heißt es schon auf den Plakatankündigungen: "Buster assisted by Joe and Myra Keaton".
1917 trennt sich Buster Keaton von seiner inzwischen um einen Bruder und eine Schwester gewachsenen Familie und lässt sich von dem schwergewichtigen Komiker Roscoe "Fatty" Arbuckle anheuern. Bei dessen Firma "Comique Film Company" spielt Keaton in fünf Filmen mit, und als die Firma nach Hollywood wechselt, in weiteren sechs unter Arbuckles Regie. Zu dieser Zeit werden Keaton, "Fatty" und Al St. John als eines der erfolgreichten Trios der Slapstick Comedy bekannt.
1918 wird Keaton nach Frankreich eingezogen und kehrt nach sieben Monaten Frontdienst zu Arbuckle zurück. Mit ihm dreht er noch drei Filme. Schon im Januar 1920 inszenierte er seinen ersten eigenen Film, "The High Sign". Waren Keatons Filme bislang Zweiakter von etwa 20 Minuten Länge, so entsteht mit "Der Dummkopf" 1920 sein erster Langfilm. Darin spielt er den Sohn eines Finanz-Königs, der - eigentlich zu nichts zu gebrauchen - die Pläne des Vaters durchkreuzt und nach einer turbulenten Börsenszene sein Glück findet.
Von 1920 bis 1923 produziert und inszeniert Buster Keaton 19 Kurzfilme, darunter so bekannte Arbeiten wie "Trauung mit Hindernissen", "Nachbarn", "Der Sündenbock" und "Bleichgesicht". Zehn lange Spielfilme entstehen zwischen 1923 und 1928. Als sein Produzent und Schwager Joseph M. Schenck den Vertrag mit Keaton an die Metro Goldwyn Mayer verkauft, wirkt sich das auf Busters Karriere nicht günstig aus. 1932 wird er geschieden, 1933 entlässt ihn Louis B. Mayer aus dem Vertrag.
Seit sich der Tonfilm durchgesetzt hatte, sank Keatons Ruhm gewaltig, obwohl seine ersten Tonfilme immer noch vor Komik überschäumten. Doch diese Art von Slapstick hatte sich vorerst wohl erledigt. Keaton ist materiell und körperlich in einer schlechten Lage. Als Alkoholiker befindet er sich mehrfach im Sanatorium. Von 1933 bis 1936 ist er mit einer Krankenschwester verheiratet. Ein Filmprojekt in Florida scheitert nach zehn Drehwochen, Filme in Europa werden Misserfolge. Für "Educational Productions" dreht er 16 Kurzfilme, darunter einige brillante Arbeiten.
Ab 1939 dreht er noch mal für Columbia zehn Kurzfilme, aber kaum jemand interessiert sich dafür, was der einstige Stummfilm-Star in diesen Filmen bot. 1940 heiratet er wieder. Dann arbeitet Keaton als Drehbuchautor wie etwa für den spaßigen Episodenfilm "Tales Of Manhattan" (1942) und spielt hin und wieder im Film kleine Neben- und Gastrollen.
Später arbeitet er anonym als Gagman (das sind Leute, die sich für andere Komiker Gags ausdenken), beispielsweise für Red Skelton in dessen Film "Der Superspion" (1948), der deutliche Parallelen zu "Der General" aufweist. Im Fernsehen bekommt er eine Show. Einen seiner wichtigsten Kurzauftritte hat er in Billy Wilders "Boulevard der Dämmerung" neben den Stummfilmlegenden Erich von Stroheim und Gloria Swanson: ein Reigen der Vergessenen. 1951 und 1953 unternimmt er erfolgreiche Europa-Tourneen, wo er besonders im Cirque Medrano in Paris begeistert.
1952 ist er Chaplins Partner in "Rampenlicht". Eine der beeindruckensten Szenen dieses mitunter sehr elegischen Melodrams ist der gemeinsame Auftritt von Buster und Charlie - der einzige der Filmgeschichte. Als 1956/57 Sidney Sheldon die "Buster Keaton Story" ("Der Mann, der niemals lachte") mit Donald O'Connor inszeniert, wirkt Keaton als Berater mit. 1965/66 entstehen in Kanada "Railrodder" und "The Scribe".
1962 wird Buster Keaton in Europa bei der Wiederaufführung von "Der General" groß gefeiert, fast gleichzeitig läuft in Paris eine vollständige Buster-Keaton-Retrospektive, ein Jahr später feiert ihn das Filmfestival von Venedig, wo 1965 sein Kurzfilm "The Railrodder" uraufgeführt wird. Kurz vor seinem Tod spielt er eine wundervolle kleine Rolle als römischer Senator Erronius - der Name ist Programm - in Richard Lesters "Toll trieben es die alten Römer" (1965). Noch vor der Premiere dieses Films stirbt Buster Keaton.
Es ist ein typischer Wesenszug von Buster Keaton als Künstler und Mensch, dass er zeitlebens zu dem Mann gehalten hat, der ihm das Filmhandwerk beigebracht hat: zu Roscoe Arbuckle. Als auf einer der üblichen Künstler-Saufparties ein kleines Starlet auf seltsame Weise ums Leben kommt, behauptet eine Freundin, der "kleine Fette" habe sie vergewaltigt. Obwohl an der Behauptung nichts dran war, startete die Presse gegen Arbuckle eine Rufmordkampagne, die von den mächtigen Frauenvereinigungen unterstützt wurde und auch dann noch weiterlief, als längst die Wahrheit bekannt war. 1933 starb Arbuckle als gebrochener Mann, doch Buster Keaton hat "Fatty" bis zuletzt als großen Künstler bezeichnet.
Ein paar bekannte Buster-Keaton-Filme, die auch in einer umfangreichen Video-Kollektion gesammelt sind:
"Trauung mit Hindernissen" (The Scarecrow, 1920, Regie: Eddie Cline, Buster Keaton): Hier buhlt Buster um die Gunst einer Schönen, auf die es auch sein Zimmergenosse abgesehen hat. Und schon bald ist die Jagdsaison eröffnet...
"Der Sündenbock" (The Goat, 1921, Regie: Mal St. Clair, Buster Keaton): Buster wird fälschlicherweise als gefährlicher Gangster angesehen: Die Leute fliehen vor ihm und die Polizei jagt ihn... - Ein kleines Kurzfilm-Juwel.
"Das Bleichgesicht" (The Paleface, 1921, Regie: Buster Keaton, Eddie Cline) erzählt vom Krieg zwischen weißen Ölbossen und Indianern. Der harmlose Schmetterlingsfänger Buster kommt an den Marterpfahl, doch man erkennt seine Integrität, und am Ende bekommt er sogar die Tochter des Häuptlings zur Frau.
"Das vollelektrische Haus" (The Electric House, 1922, Regie: Buster Keaton, Eddie Cline) zeigt Buster als Botaniker, der versehentlich ein Diplom als Elektriker erhält. So wird unter seinen Fingern ein ganzes Haus zu einem vollautomatischen, wahren Wunderwerk der Technik. Doch ein Rivale sabotiert seine Arbeit... Ein urkomischer Kurzfilm mit einer Fülle brillanter Ideen.
"Die drei Zeitalter" (The Three Ages, 1923, Regie: Buster Keaton, Eddie Cline) ist Keatons erster selbstinszenierter Langfilm. Hier spielt sich in der Steinzeit, im alten Rom und in Amerika des Jahres 1923 eigentlich immer die gleiche Geschichte ab: Buster wirbt um eine Schöne, die seitens der Eltern aber schon einem anderen versprochen ist. Busters Rivale ist ihm eigentlich überlegen, doch Buster bedient sich aller Tricks, um ans Ziel zu gelangen. Keaton verstand diesen einfallsreichen Film als Parodie auf D. W. Griffiths Historien-Epos "Intolerance"
"Verflixte Gastfreundschaft" (Our Hospitality, 1923, Regie: Buster Keaton, Jack C. Blystone): Ein "Greenhorn" tritt im Westen eine Erbschaft an, gerät dadurch aber unfreiwillig in eine langjährige Blutfehde zweier Familien, wobei er auch noch einer dieser Familien angehört. Zu allem Überfluss verliebt er sich auch noch in die Tochter der rivalisierenden Familie. Doch die hat den Brauch, dass auch ein "Feind" im eigenen Haus ein Gast ist. So ist er zwar bei ihnen sicher, muss aber trotzdem erst einige atemberaubende Abenteuer durchleben, bevor er das Mädchen heiraten kann. - Einer der besten Keaton-Stummfilme; eine Fülle genialer Gags und haarsträubender Artistik in einer poetischen Geschichte. Schon wegen der surrealistischen Eisenbahnfahrt ein Muss für alle Film-Freaks.
"Sherlock Junior" (1924, Regie: Buster Keaton, Roscoe Arbuckle): Buster als Filmvorführer und Kinoreiniger, der nur davon träumt, einmal selbst ein großer Detektiv zu sein. Denn er hat im Leben immer nur Pech und sein Rivale in Sachen Liebe scheint die besseren Karten zu haben. Als Buster bei der Arbeit einschläft, spielen in einem Film, den er immer vorführt, plötzlich seine Schöne und sein Erzfeind mit. Buster springt in die Leinwand und mischt nach anfänglichen Schwierigkeiten als Sherlock jr. kräftig im Geschehen des Films mit. Als er den Schuft entlarven und seine Schöne befreien kann, wacht er auf. Doch auch im Leben wartet ein Happy End. Eine turbulente Komödie mit unzähligen Höhepunkten und vielen auch heute noch verblüffenden Tricks, wie etwa der Einstieg über die Leinwand ins Filmgeschehen.
"Auf hoher See / Der Navigator" (The Navigator, 1924, Regie: Buster Keaton, Donald Crisp): Ein verwöhnter Millionärssohn - er kann sich nicht einmal alleine rasieren - möchte heiraten. Als sein Werben missverstanden wird, geht er eben allein auf Hochzeitsreise. Er erwischt natürlich das falsche Schiff. Denn das gehört dem Vater der Umworbenen und wurde von Spionen losgemacht. Die Geliebte befindet sich ebenfalls auf dem Schiff. Auf hoher See treibend, dauert es eine ganze Weile, bis sich die beiden - eher zufällig - finden und dann doch zusammentun. Ein urkomischer und choreografisch detailierter Stummfilm mit exaktem Timing (z.B. kann der Zuschauer staunend beobachten, wie sich die beiden auf dem Schiff ständig knapp verpassen). Kurz: Ein Meisterwerk!
"Sieben Chancen" (Seven Chances, 1925): Der junge Jimmie Shannon bringt es einfach nicht fertig, sich seiner Angebeteten zu erklären, obwohl davon eine Millionenerbschaft abhängt. Denn er erbt nur, wenn er bis zum Abend seines 27. Geburtstags verheiratet ist. Dabei braucht er dringend Geld und außerdem ist der Stichtag heute... Eine temporeiche Komödie mit einer gut abgestimmten Mischung aus Liebe, Action, Slapstick und ziemlich abstruser Ideen.
"Der Cowboy" (Go West, 1925): Gelangweilt vom Leben in der Stadt folgt Buster der Aufschrift eines Denkmals "Go West, Young Man". Im Westen wird er von einem Rancher als Cowboy angestellt. Die Kuh, die er zu betreuen und zu melken hat, wird seine Freundin. Als der Rancher gezwungen ist, die Herde an den Schlachthof zu verkaufen, versucht Buster verzweifelt, "seine" Kuh zu retten... Keaton zeigt hier einmal mehr mit dem Blick eines echten Pioniers das hohe Niveau seiner Kunst. Dieser Film zählt eher zu seinen ruhigen (weniger artistische Einlagen, kaum Slapstick), in dem es sich nicht lauthals lachen, aber vergnüglich schmunzeln lässt. Ein grandioses Werk mit einer furiosen Schluss-Sequenz
"Battling Butler / Schlag auf Schlag" (1926): Der Film zählt ebenfalls zu Buster Keatons Meisterwerken: Er spielt den verwöhnten Millionärssohn Alfred Butler, der zwecks Erlangung von mehr Selbständigkeit mit seinem Butler aufs Land geschickt wird. Er verliebt sich in die Tochter eines boxbegeisterten Farmers und wird aus Liebe selbst zum Boxer. Natürlich bezieht er schon wegen seiner körperlichen Schwäche einige Prügel, bevor er sich letztendlich trotzdem als Sieger herausstellt. Der Film bietet großartige Stummfilm-Komik von und mit dem Meister des Faches, der wie kein anderer mit minimaler Mimik maximale Wirkung erzielen konnte.
"Der General" (1926, Regie: Buster Keaton, Clyde Bruckman) ist der berühmteste Keaton-Film. Während des amerikanischen Bürgerkrieges liebt der Südstaateneisenbahner Johnny Gray sowohl ein Mädchen, als auch eine Lokomotive "The General". Aus Liebe zu beiden durchbricht er die feindlichen Linien und bringt dadurch einen Großangriff der Nordstaaten zum Scheitern. - Wundervolle Gags, perfekte Regie und hohe Authentizität sorgen für ein zeitloses Meisterwerk, obwohl der Film seinerzeit ein Misserfolg war.
"Sport ist Mord / Der Musterschüler" (College, 1927, Regie: James W. Horne) ist eine der besten Sport-Parodien der Filmgeschichte: Ronald darf als bester Abiturient die Abschlussrede halten. Sein Thema ist: "Geist gegen Körper". Seine Lehrer sind begeistert, ganz im Gegensatz zu seinen Mitschülern. Dann verliert der Bücherwurm seine Freundin an einen bösen Muskelmann. Ronald will seine Freundin zurückgewinnen und beweisen, dass er trotz seines eher schwächlichen Körpers als Athlet erfolgreich sein kann. Ein Fehlschlag folgt dem anderen, bevor er schließlich die Geliebte aus den Fängen des Bösewichtes befreien kann, indem er unwissentlich mit athletischer Geschicklichkeit vorgeht. Dieser Film zeigt "Stoneface" Buster Keaton auf der Höhe seiner Kunst.
"Stürmische Zeiten" (Steamboat Bill jr, 1928, Regie: Charles Riesner): Als ein rauhbeiniger Dampferkapitän durch den reichsten Mann der Stadt auf seinem Fluß Konkurrenz bekommt, hofft er auf die Hilfe seines Sohn, den er seit seiner Geburt nicht mehr gesehen hat. Doch der stellt sich als studierter Schwächling heraus, der überdies auch noch die Tochter des Konkurrenten liebt. Erst ein heftiger Sturm kann durch seinen Wirbel einiges entwirren... Grandiose Einfälle (z.B. die auf Keaton stürzende Hauswand, oder wie er versucht, gegen den stürmischen Wind zu kämpfen, aber immer wieder dort landet, wo sein Kampf begonnen hat), sehr gute Kameraarbeit und artistische Einlagen. Absolut brillant! Dies war der letzte unabhängig produzierte Keaton-Film.
"Der Kameramann" (1928, Regie Edward Sedgwick): Um die Gunst der hübschen Sally zu erlangen, wird der scheue Luke Kameramann für die MGM-Wochenschau und landet, weil er zufällig anwesend ist, mit den Aufnahmen einer Straßenschlacht zweier rivalisierender Gangs im Chinesenviertel einen Riesenknüller und schließlich auch bei der Holden. Trotz vieler Produktionsquerellen gelang Keaton ein Stummfilm-Spätwerk voller Gags und überraschender Einfälle.
"Trotzheirat" (Spite Marriage", 1929, Regie Edward Sedgwick): Hosenbügler Elmer, eher eine Niete, versucht mit allen erdenklichen Tricks die Liebe der hübschen Schauspielerin Trilby Drew zu erringen. Schon seit Wochen sitzt er im geliehen Frack in der ersten Reihe des Theaters, um seine Angebete zu bewundern. Zufällig erhält er eine Statistenrolle im Theater, vermasselt seinen Auftritt aber gewaltig. So staunt er nicht schlecht, als Trilby dennoch einwilligt, ihn zu heiraten. Doch er bemerkt bald, dass sie dies nur getan hat, um jemand anderem eins auszuwischen. Er verlässt die Frau, kann sie aber schließlich als Matrose aus der Gewalt von üblen Schmugglern berfreien und somit auch ihre Liebe gewinnen. Die brillante Komödie der Extraklasse war Keatons letzter Stummfilm.
Weitere Langfilme mit Buster Keaton: "The Hollywood Revue Of 1929" (hier führt Keaton lediglich einen Sketch auf), "Free And Easy" (1930), "Doughboys" (1930), "Parlor, Bedrooms And Bath" (1931), "Sidewalks Of New York" (1931), "The Passionate Plumber" (1932), "Speak Easily" (1932), "What! No Beer?" (1933), "Le Roi Des Champs Elysees" (1934) und "The Invader" (1935).
Außerdem spielte er weitere sehenswerte Nebenrollen in: "Auf ewig und drei Tage" (1943), "Damals im Sommer" (1949), "In 80 Tagen um die Welt" (1956), "Abenteuer am Mississippi" (1959), "Jubel, Trubel, Sensationen" (1961), "Eine total, total verrückte Welt" (1962) und "Pajama-Party" (1964). Besonders gelungen sitnd auch die Dokumentationen "Buster Keaton: Lachen verboten!" (ein Porträt von Kevin Brownlow und David Gill) und "Buster Keaton bei der Arbeit" (von John Spotton), der Keaton bei den Drehs zu seiner letzten Produktionen, dem kurzen Werbestreifen "The Railrodder" zeigt.
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