(Deconstructing Harry)
USA 1997


Beruflich wie privat ist Harry in eine tiefe Lebenskrise geraten: beim Schreiben blockiert und privat frustriert zieht er sich den Unmut seines gesamten sozialen Umfelds zu, weil er alle leicht wiedererkennbar in seinen Büchern vorkommen läßt und deren Geheimnisse preisgibt. Pillen schluckend und Whiskey trinkend sieht man ihn in seiner chaotischen Wohnung seine Neurosen ausleben. Ein vom Leben verunsicherter Mensch.Auch bildlich gesprochen steht Harry am Abgrund: er sieht sich an den Abgrund seiner Dachterrase gedrängt, als er von seiner Exfreundin Lucy, (der Schwester seiner letzten Exfrau) zur Rede gestellt wird. Sie hält ihm vor, mit dem Leid seiner Familie und den intimen Geheimnissen seiner engsten Freunde durch die Wiedergabe in seinen Büchern Geld zu verdienen. Ausser sich vor Wut bedroht sie ihn mit ihrer Pistole. Den Tod vor Augen muß er, der ständig quasselnde Harry um sein Leben reden. Der zweite Teil des Films liefert einen bizarren und grotesken Roadmovie. Geschildert wird die Fahrt zur Universität, die den Autor zwar vor 30 Jahren hinauswarf, jetzt aber ehren will. Die Fahrt wird zur Zerreißprobe in jeglicher Hinsicht, Harry wird mit all seinen Problemen konfrontiert. Als Folge der Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und des Todes und der Erfahrung fehlender Liebe beginnt Harrys körperliche Verwandlung. Jetzt erfährt der Autor das gleiche Schicksal wie schon vor ihm sein Alter ego: er wird „dekonstruiert“, d.h. er ist unscharf. Schwere Alpträume (gespickt mit Filmzitaten im Stile Fellinis) quälen Harry. Erst die mütterliche Fürsorge der befreundeten schwarzen Hure läßt ihn wieder Hoffnung schöpfen.


Um die Figur des "Harry" darzustellen, fährt Woody 84 Rollen auf, da tummeln sich-exzellent besetzt bis in kleine Nebenauftritte- allesamt Gestalten, die mit wenigen Ausnahmen nicht viel gefestigter sind als die Hauptfiguren. Wie schon in "Der Stadtneurotiker", ist Woody hier ein Schriftsteller, der über das schreibt, was er als Beziehungskrise gerade erlebt, der Unterschied ist, daß man ihn hier über seine Romanfiguren kennenlernt und nicht umgekehrt. Der gewohnten technischen Brillianz fügt Woody einen hübschen Einfall hinzu: Ein Darsteller (Robin Williams) ist plötzlich einfach unscharf- eine Krise ganz besonderer Art.


Regie: Woody Allen Drehbuch: Woody Allen Kamera: Carlo Di Palma Schnitt: Susan E. Morse Ton: Les Lazarowitz Ausstattung: Santo Loquasto FSK: ab 12 Jahren, feiertagsfrei Verleih (Kino): Kinowelt Verleih (Video): VMP Erstaufführung: 21.5.1998 Produktionsfirma: Sweetland Films Fine Line Features Produktion: Jean Doumanian Länge: 96 Minuten Darsteller: Woody Allen (Harry Block) Elisabeth Shue (Fay) Hazelle Goodman (Cookie) Kirstie Alley (Joan) Billy Crystal (Larry) Judy Davis (Lucy) Demi Moore (Helen) Amy Irving (Jane) Robin Williams (Mel) Julie Kavner (Grace) Mariel Hemingway (Beth Kramer) Richard Benjamin (Ken) Eric Bogosian (Kurt) Bob Balaban (Richard) Carolin Aaron (Doris)



"Twisted"(Wendell Grey, Annie Ross)
Annie Ross

"Out of Nowhere"
(Edward Heyman, Johnny Green )
Django Reinhardt

"The Girl from Ipanema"
(Antonio Carlos Jobim, Vinicius De Moraes, Norman Gimbel)
Stan Getz

"She's Funny That Way"
(Richard A. Whiting, Neil Moret)
Erroll Garner

"Waiting"
(Glenn Dickson)
The Shirim Klezmer Orchestra

"All the Things You Are"
(Jerome Kern, Oscar Hammerstein)
Art Tatum - Ben Webster Quartet

"Mussorgsky: Night on Bald Mountain"
(Modest Mussorgsky)
L'Orchestre de Suisse Romande

"The Way You Look Tonight"
(Jerome Kern, Dorothy Fields)
Erroll Garner

"When the Red Red Robin Comes Bob Bob Bobbin' Along"
(Harry M. Woods)
Woody Allen, Bob Balaban, Hazelle Goodman, Eric Lloyd

"Rosalie"
(Cole Porter)
The Savoy Hotel Orpheans

"Miami Beach Rumba"
(Irving Fields, Albert Green)
The Stebbins Hall Band

"Trena Trena Trena"
(Mitchell Parish)
The Stebbins Hall Band

"Sing Sing Sing (With a Swing)"
(Louis Prima)
Benny Goodman

"Christopher Columbus"
(Andy Razaf, Leon Berry)
Benny Goodman

"I Could Write a Book"
(Richard Rodgers, Lorenz Hart)
The Stebbins Hall Band

"Dream a Little Dream of Me"
(Wilbur Schwandt, Fabian Andre, Gus Kahn)
The Stebbins Hall Band


1998 Oscar
Nominierung Bestes Drehbuch
Woody Allen

2000 Cinema Brazil Grand Prize
Nominierung Bester ausländischer Film
Woody Allen (Regie)

1998 European Film Awards
Nominierung Five Continents Award
Woody Allen

1998 Golden Satellite Awards
Nominierung Bester Film - Comedy oder Musical
Jean Doumanian