(The Purple Rose Of Cairo)
USA 1985


Vor dem Aushang des Kinos "Jewel" in einer Stadt irgendwo in New Jersey steht die verträumte Cecilia. Sie versenkt sich in die Bilder von "The Purple Rose Of Cairo", einer "Romanze, die in der ganzen Welt spielt". Es ist die Depressionszeit der dreißiger Jahre, und Cecilia verdient sich ein paar Dollar hinter der Theke eines Drugstores, in dem auch ihre Schwester arbeitet. Cecilias Mann Monk vertut seinen Arbeitslosentag mit Penny-Spielen auf der Straße und versäuft Cecilias Verdienst. Im Drugstore träumt Cecilia die schönsten Kinoträume von Abenteuern und Reichtümern einer exotischen Welt weiter. Schöne Menschen, ge pflegter Umgangston, romantische Handlung sind ihr Ideal. Der Film, den sie gerade gesehen hat, zwischen Gesellschaftskomödie aus der New Yorker High-Society und Abenteuer-Action schwankend, besaß all das. "Auf zu exotischen und romantischen Orten dieser Welt!" hatte Tom Baxter, der Abenteurer in Breeches und Tropenhelm aus "The Purple Rose Of Cairo", gesagt. Und Cecilia war ihm in Gedanken gefolgt. Aus dem Kino kommend, ertappt Cecilia ihren Mann zu Hause mit der ordinären Olga. Cecilia zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus, aber weil die Alltagswelt nicht das Kino ist, findet sie sich ein paar Stunden später resigniert wieder zu Hause ein. Um den Druck des wirklichen Lebens ertragen zu können, sieht Cecilia zum fünften Mal "The Purple Rose Of Cairo". Das ist auch dem in der Besetzungsliste an vierter Stelle genannten Tom Baxter nicht entgangen, der daraufhin von der Leinwand herabsteigt und- nach 2000 Kinovorstellungen- seine Freiheit suchend mit Cecilia davonrennt. Ohne Baxter kann die Vorstellung nicht weitergehen. Publikum, Kinobesitzer und die Schauspieler auf der Leinwand sind konsterniert. Der Film gerät in seiner Chronologie völlig durcheinander, und der Produzent wird alarmiert. Cecilia und Tom amüsieren sich inzwischen in einem Vergnügungspark. Baxter will nicht mehr in die Filmwelt zurück, sondern mit Cecilia das reale Leben kennenlernen. Und das es nicht alle Tage passiert, daß ein Mann wegen eines Mädchens von der Leinwand herabsteigt, läßt sich Cecilia auf Baxter ein. Im Kino ist die Ratlosigkeit auf dem Höhepunkt. Die Presse vermutet das Werk von Roten und Anarchisten. Abgesandte der Produktionsfirma rätseln über die Gründe des Ausstiegs von Baxter. Und während Tom und Cecilia tanzen gehen wird der Darsteller der Rolle von Tom Baxter, der Star Gil Shepard, auf einer Hollywood-Party von seinem Agenten über die Vorfälle aufgeklärt. Gil ist entsetzt, denn wenn er in den Ruf käme, "schwierig zu sein", wäre das das Ende seiner aufstrebenden Karriere...


Ein soziales Märchen, mit Selbstverständlichkeit vollzieht Woody den Sprung von der Arbeitslosenmisere um 1935 zum Kinowunder anno 1985, von Don Passos zu Allen. Ein "Manhattan Transfer", der die technischen Möglichkeiten des hochentwickelten Kinos zu einem modernen Gute-Nacht-Poem nutzt. Woody Allen, der Kino-Zeremonienmeister unserer alltäglichen Wünsche, beweist, daß wir alle wie Cecilia sind. Wir wählen die Wirklichkeit und werden damit allein gelassen. Erst die Scheinrealität des Films kann uns trösten. Kino als Wunschmaschine, und diesmal steigt der Held von der Leinwand herab.


Regie: Woody Allen Drehbuch: Woody Allen Kamera: Gordon Willis Musik: Dick Hyman Schnitt: Susan E.Morse Ton: James Sabat Ausstattung: Stuart Wurtzel Kostüme: Jeffrey Kurland Bauten: Edward Pisoni W.Steven Graham FSK: ab 12 Jahren, feiertagsfrei Verleih (Kino): Filmverlag der Autoren Verleih (Video): VCL/Virgin Erstaufführung: 3.10.1985 (Kino) 9.12.1987 (TV, ARD) Produktion: Robert Greenhut Länge: 82 Minuten Darsteller: Mia Farrow (Cecilia) Jeff Daniels (Tom Baxter, Gil Shepard) Danny Aiello (Monk) Van Johnson (Larry) Dianne Wiest (Emma) Edward Herrmann (Henry) Zoe Caldwell (die Gräfin) John Wood (Jason) Milo O´Shea (Pater Donelly) Deborah Rush (Rita) Irving Metzman (Kino-Geschäftsführer)
Stephanie Farrow (Cecilias Schwester) Alexander H.Cohen (Raoul Hirsch) Camille Saviola (Olga) Karen Akers (Kitty Haynes) Annie Joe Edwards (Delilah) Peter McRobbie (Kommunist) Juliana Donald (Platzanweiserin) David Kieserman (Drugstore-Besitzer) Ebb Miller (Bandleader)


"Cheek To Cheek"
Fred Astaire

"I Love My Baby, My Baby Loves Me"
Bud Green, Harry Warren

"Alabamy Bound"
Ray Henderson


1986 OscarNominierung für "Bestes Drehbuch"
Woody Allen

1986 Bodil Awards
Bester Film
Woody Allen (Regie)

1986 Boston Society of Film Critics Awards
Bestes Drehbuch
Woody Allen

1986 British Academy Awards
Bester Film
Woody Allen
Robert Greenhut
Bestes Drehbuch
Woody Allen
Nominierung für Beste Schauspielerin
Mia Farrow
Nominierung für Beste Effekte

1985 Cannes Film Festival
FIPRESCI Award
Woody Allen


1986 Casting Society of America
Nominierung für Bestes Casting
Juliet Taylor

1986 César Awards
Bester Ausländischer Film
Woody Allen

1986 French Syndicate of Cinema Critics
Bester Ausländischer Film
Woody Allen

1986 Golden Globes
Bestes Drehbuch
Woody Allen
Nominierung für Bester Film
Nominierung für Bester Schauspieler
Jeff Daniels
Nominierung für Beste Schauspielerin
Mia Farrow

1985 New York Film Critics Circle Awards
Bestes Drehbuch
Woody Allen

1986 Writers Guild of America
Nominierung für Bestes Drehbuch
Woody Allen