(Stardust Memories)
USA 1980


Der Filmregisseur Sandy Bates sitzt im falschen Zug. Auf dem anderen Bahnsteig, im richtigen Zug, amüsieren sich junge, schöne Menschen. Sandy will umsteigen, aber die Abteiltür ist verrammelt, das Fenster verhakt, und schon fährt sein Zug an. Aus der einmal eingeschlagenen Fahrtrichtung gibt es kein Entkommen. Überblendung: ein Schwarm kreischender Möwen an der See, Meeresstimmung, Freiheit. Aber unter den Vögeln befindet sich eine riesige Müllkippe. Dort ist Sandy angekommen, und dort trifft er die Reisenden aus dem anderen Zug wieder, die Tennisschläger und Champagnerflaschen mitgebracht haben. Abspann. Das Filmmuster ist zu Ende. Im Vorführraum erheben sich Kritiker und Produzenten und verreißen das soeben Gesehene mit wüsten Beschimpfungen. Einer empfiehlt: "Wir können ihm den Film wegnehmen, wir können nachdrehen, umschneiden, um vielleicht noch was zu retten!". Sandy Bates sitzt inzwischen in seinem Rolls-Royce und erlebt in Manhattans Straßenschluchten die klaustrophobische Atmosphäre seiner Filmsequenz in einem Autostau. In seinem Büro erwarten ihn schon die Abgesandten der Filmindustrie und seine Mitarbeiter. Alle wollen, das er wieder komisch ist. Aber Sandy sagt:" Wenn ich mich umsehe, sehe ich nur menschliches Leid". Ist er denn er einzige, dem auffällt, daß das Universum bröckelt? Bates´ Freundin Dorrie möchte ihn aufheitern. Sein Rasierwasser versetzte sie wie in einem Proustschen Rausch in ihre Kindheit, sagt sie. Bates gibt zu, daß er "Proustschen Rausch" von Chanel als Sonderangebot eimerweise eingekauft hat. Dann muß er schnell in die Küche, wo die Haushälterin den Backofen wieder mal mit dem Kamin verwechselt hat. Sandy Bates fährt ins Seehotel "Stardust", wo seine Manager ein Filmkunst-Wochenende arrangiert haben. Die Fans erwarten ihn schon, und ein albernes Musical mit ihm wird gezeigt. Danach muß Bates Rede und Antwort stehen. Vor dem zudringlichen Trubel der Verehrer retten ihn ein junger Filmwissenschaftler und dessen Freundin Daisy, die bei den Philharmonikern geigt. Sandy findet Daisy sexy...


Der Film von Woody Allen, der am meisten unterschätzt und mißverstanden wird. Nicht Woody ist es, der hier nicht mehr komisch sein will, sondern Sandy Bates, sein Leinwandheld. Das Publikum in den USA sah den Film ganz eng als übelgelaunte Abrechnung eines bornierten Zeitgenossen mit seinem Anhang, war wütend über die Publikumsbeschimpfung und ging nach einer Woche Spielzeit nicht mehr in die Kinos. Der Film wurde ein totaler Flop. Die US-Öffentlich- keit glaubte offenbar, der Witzbold sei übergeschnappt, nehme den Witz für die Wirklichkeit. Man nahm plötzlich den Filmemacher nicht mehr als Künstler, sondern als Zeitgenossen und ließ ihn fallen. In Wahrheit triumphierte Woody mit "Stardust Memories" über den Alltagsverstand.


Regie: Woody Allen Drehbuch: Woody Allen Kamera: Gordon Willis Musik: Sidney Bechet Lester Young Count Basie Django Reinhardt Marie Lane Modest Mussorgski Chick Webb Cole Porter Glenn Miller Louis Armstrong Schnitt: Susan E.Morse Ton: James Sabat Jack Higgins Magno Sound Ausstattung: Michael Molly Produktions-Design: Mel Bourne Produktion: Robert Greenhut Darsteller: Woody Allen (Sandy Bates) Charlotte Rampling (Dorrie) Marie-Christine Barrault (Isobel) Jessica Harper (Daisy) John Rothman (Jack Abel) Amy Wright (Shelley) Helen Hanft (Vivian Orkin) Daniel Stern (Schauspieler) Tony Roberts (Tony) Anne Desalvo (Sandys Schwester)
Joan Neuman (Sandys Mutter) Ken Chapin (Sandys Vater) Leonardo Cimino (Sandys Analytiker) Bob Maroff (Jerry Abraham) Gabrielle Strasun (Charlotte Ames) Robert Munk (Sandy als Knabe)


"Stardust"
(Carmichael,Parish)
Louis Armstrong & Orchester

"If dreams come true"
(Mills,Sampson,Goodman)
Chick Webb & Orchester

"I'll see you in my dreams"
(I.Jones,Kahn)
Django Reinhardt Trio

"Just one of those things"
(Cole Porter)
Dick Hyman

"Easy to love"
(Cole Porter)
Dick Hyman

"Body and soul"
Django Reinhardt

"Brazil"
(S.K.Russel)
Marie Lane

"Three little words"
The Jazz Heaven Orchestra

"Tropical mood marriage"
Sidney Bechet


1981 Screen Award
Bestes Originaldrehbuch
Woody Allen