Bevor er zu einem der anerkanntesten Filmemacher unserer Zeit wurde, mußte Woody Allen sein Talent zunächst in diversen Fernseh-Shows beweisen. Ende der 50er Jahre schrieb er Sketche für Show-Größen wie Sid Caesar und Garry Moore. Um sich auszuprobieren, trat er bald darauf als Stand-Up-Comedian in Nachtclubs auf, wo er eine eigene Kunstfigur entwickelte, die in ihren Monologen über die bekannten Themen Sex, Tod, New York City und seine jüdische Kindheit philosophierte.
Aus dieser Zeit existieren zwei 90minütige TV-Shows, in der Woody Allen sein komisches Talent ausleben konnte, gefolgt von einem Special , das im Herbst 1969 ausgestrahlt wurde.

Nur Allen war in der Lage, sich in einem Atemzug über Teenagertänze und deren Bezug zu Dostojewski und dem Sinn des Lebens auszulassen. So geschehen 1958 in der "Gerry Show". Mitautoren: Larry Gelbart (später "M.a.s.h.), Art Carney, Sid Caesar, Shirley MacLaine. Als Stand-Up-Comedian trat Allen in der "Tonight Show" (1962) mit einer Geschichte rund um Gruppentherapie und Hollywoodelite auf, in der "Jack Paar Show" thematisierte er seine Jahre an der New York University (NYU). Aufmerksame Fans werden erkennen, daß Ausschnitte aus diesem Monolog fast wörtlich im Drehbuch zu "Der Stadtneurotiker" auftauchen. Ein weiteres Nachtclub-Programm (Eine Parodie auf den Allen-Stammbaum) präsentierte er 1966 in einem Gene Kelly Special ("New York, New York).
In "The Kraft Music Hall" (1967) trat Woody hin und wieder mit unterhaltsamen Jahresrückblicken als Gaststar auf. Allen und Liza Minnelli nahmen in Sketchen die Kontroverse um den aufkommenden Mini-Rock sowie den aktuellen Boxoffice-Hit "Bonnie & Clyde" auf´s Korn. Die Show endete in einem kuriosen Rede-und Antwort-Duell zwischen dem Liberalen Allen und dem konservativen Gastgeber William F. Buckley, Jr. Musikalische Stars des Abends: Liza Minnelli ("Feelin' Groovy") und Aretha Franklin ("Respect").

"Tell It Again, Woody"
In einem Auftritt Anfang der 60er Jahre in der "Jack Paar Show" durfte Allen sogar den Eröffnungsmonolog halten. Grund: Paar hatte Allen zuvor drei Mal in Folge aus der Show gekippt. Andere Auftritte: "The Dean Martin Show (1967)" mit dem "Wodka-Sketch" und einer komischen Überarbeitung von "Stout-Hearted Men" in der "Ed Sullivan Show" (1967).
In Folge seiner Erfolge als Regisseur wurden seine Auftritte im TV sichtlich seriöser. In einem seiner höchst seltenen Auftritte als Talkgast bei Dick Cavett (1977) diskutierte er über ein Treffen mit Groucho Marx, seine Bewunderung für Bob Hope und die Anfänge als Nachtclub-Entertainer.

"The Woody Allen Special"
Seine erste und einzige Personality-TV-Show wurde von "Variety" vollmundig als "erstaunliche Tour-de-Force" angekündig und just in dem Jahr ausgestrahlt, in dem Woody Allen mit den Dreharbeiten zu "Woody, der Unglücksrabe" begann und sein Stück "Mach´s noch einmal, Sam" sich am Broadway zum Hit entwickelte. In dem Special sind drei Sketche mit Gaststar Candice Bergen zu sehen. 1. Zwei Schauspieler "üben" eine Nacktszene, 2. "Cupid's Shaft," eine Parodie auf Stummfilme und 3. "Original folk tale", in dem Allen Bergen als hübsche, aber kreuzdumme Obdachlose auf den richtigen Weg zurückbringt. Mit dem TV-Priester Billy Graham diskutiert er über Sex und Moral. Musikbeiträge: Fifth Dimension ("Wedding Bell Blues"). Tony Randall wirbt für Libbys. (6o Minuten)