(Zelig)
USA 1983


Man schreibt das Jahr 1928. Das Jazz-Zeitalter ist angebrochen. Die Rythmen sind synkopiert, die Sitten lockerer, der Alkohol billigerfalls man welchen bekommt. Konjunktur und Flüsterkneipen blühen. Auf einer Nobelparty macht sich Scott Fitzgerald eine Notiz über einen seltsamen Gast namens Leonard Zelig, der ihm durch seine sprachliche und gestische Wandlungsfähigkeit auffällt. Dies ist die erste Erwähnung Zeligs im 20.Jahrhundert-aber er wird das Phänomen der zwanziger Jahre werden. In einer illegalen Kneipe, in der Prominente selbstgebrannten Gin trinken, taucht Zelig ein zweites Mal auf, diesmal als brutaler Gangster mit Backenschmiß wie auch als farbiger Jazztrompeter. Danach ist der Büroangestellte aus New York City spurlos verschwunden. In seiner Wohnung findet die Polizei nur zwei Fotos, eines zeigt ihn mit Eugene O´Neill, das andere in der Opernrolle des Bajazzo. Und wenig später wird ein Chinese im Hinterzimmer einer Opiumkneipe verhaftet, der Zelig verblüffend ähnelt und sich im Krankenhaus plötzlich in einen Weißen verwandelt. Mit diesem Mann beginnt die Psychoanalytikerin Dr.Eudora Fletcher sich zu beschäftigen.Man weiß von ihm nichts. Seine Jugend wird durchleuchtet. Er wuchs als orthodoxer Jude auf, seine Familie war zerstritten. Leonardo ist ein normaler Junge, aber plötzlich, irgendwann als junger Mann, fängt er an, seltsame Gewohnheiten zu entwickeln. Während langer Tests wird offenbar, daß Zelig an einem psychischen Defekt leidet, körperlich ist er gesund. Die Ärzte experimentieren damit, daß sie Hühner, Zwerge und Frauen in seine Nähe bringen, jedoch erst beim Zusamm entreffen mit Fettleibigen und Schwarzen verändert sich Zelig schlagartig, er wird einer von ihnen. Dr.Fletcher, die Zelig hypnotisiert, findet heraus, warum er sich so radikal anpaßt. Er will beliebt sein, und er hält es für sicherer, wie die anderen zu sein. Dieses menschliche Chamäleon schützt sich, indem es zu der Person wird, die in seine Nähe kommt. Über Nacht wird Zelig zur Berühmtheit. Und die Vergnügungsindustrie lanciert mit ihm Schlager und Modetänze...


Der Film ist eine Dokumenation über eine erfundene Figur. Über den perfekten Amerikaner, stets exakt genauso wie die Nachbarn, Everybody´s Darling. Leonard Zelig, auf du und du mit den Größen seiner Zeit, winke, winke machend neben Hitler, Hoover und dem Papst. Ein Schizo der nordamerikanischen Extraklasse im Superformat, unübertrefflich bis zur Kenntlichkeit angepaßt. Die technische Brillianz des Films, den Woody Allen mit einem aufwendigen Spezialistenteam in zwei Jahren herstellte, ist außergewöhnlich. Nicht nur das nahtlos ineinander übergehende Doku und Fiktionsmaterial im visuellen Bereich, sondern auch die perfekte Ton spur setzten neue Filmstandarts. Die deutsche Fassung des Films entstand ebenfalls unter Allens Regie in den USA.


Regie: Woody Allen Drehbuch: Woody Allen Kamera: Gordon Willis Musik: Dick Hyman Schnitt: Susan E.Morse Ausstattung: Speed Hopkins Kostüme: Santo Loquasto Produktions-Design: Mel Bourne FSK: ab 12 Jahren, feiertagsfrei Verleih (Kino): Warner-Columbia Erstaufführung: 30.9.1983 Produktionsfirma: Orion Produktion: Robert Greenhut Länge: 79 Minuten Darsteller: Woody Allen (Zelig) Mia Farrow (Dr.Fletcher) Stephanie Farrow (Schwester Meryl) John Rothman (Paul Deghuee) Deborah Rush (Lita Fox) Marianne Tatum (Schauspielerin Fletcher) Mary Louise Wilson (Schwester Ruth) Will Holt (Hitler) Sol Lomita (Martin Geist) Jean Trowbridge (Fletchers Mutter) Ken Chapin (Interviewer) Erna Campbell (Zeligs Frau) Susan Sontag Irwing Howe Saul Bellow Bruno Bettelheim John Morton Blum (alle sie selbst)


Leonard The Lizard"-
Bernie Knee

"Doin´ The Chameleon"
Bernie Knee

"Chameleon Days"
Mae Questel

"You May Be Six People, But I Love You"
Bernie Knee

"Reptile Eyes"
Rosemarie Jun

"The Changing Man Concerto"
Rosemarie Jun

"I´ve Got A Feeling I´m Falling"
Harry Link, Billy Rose, Fats Waller

"I´m Sitting On Top Of The World"
Ray Henderson, Samuel M.Lewis, Joe Young

"Ain´t We Got Fun"
Raymond B.Egan, Gus Kahn, Richard Whiting

"Sunny Side Up"
Lew Brown, B.G.DaSylva, Ray Henderson

"I´ll Get By"
Fred E.Ahlert, Ray Turk

"I Love My Baby, My Baby Loves Me"
Bud Green, Harry Warren

"Runnin Wild"
A.H.Gibbs, Joe Grey, Leo Wood

"A Sailboat In The Moonlight"
John Loeb, Carmen Lombardo

"Charleston"
James P.Johnson, Cecil Mack

"Chicago, That Toddlin´Town"
Fred Fisher

"Five Feet Two, Eyes Of Blue"
Ray Henderson, Samuel M.Lewis, Joe Young

"Anchors Aweigh"
George D.Lottmann, Alfred H.Miles, Domenico Sanino


1984 OscarNominierung für Beste Kamera
Gordon Willis
Nominierung für Bestes Kostüm
Santo Loquasto
1984 Bodil Awards
Bester amerikanischer Film
Woody Allen (Regie)

1984 British Academy Awards
Nominierung für Beste Kamera
Gordon Willis
Nominierung für Bester Schnitt
Susan E. Morse
Nominierung für Bestes Make-Up
Fern Buchner
John Caglione Jr.
Nominierung für Bestes Drehbuch
Woody Allen
Nominierung für Beste Special Effects
Richard Greenberg
Joel Hynek
Stuart Robertson
Gordon Willis

1984 David di Donatello Awards
Bester ausländischer Schauspieler
Woody Allen


1984 Golden Globes
Nominierung für Bester Film Comedy/Musical
Nominierung für Bester Schauspieler
Woody Allen


1983 New York Film Critics Circle Awards
Beste Kamera
Gordon Willis


1983 Film Festival Venedig
Bester Film
Woody Allen

1984 Writers Guild of America
Nominierung für Bestes Drehbuch (Comedy)
Woody Allen